Freitag, 22. Februar 2013

Parkinson hat auch sein Gutes

"Wofür ist eigentlich so ein Parkinson gut?" Diese zumindest auf den ersten Blick blödsinnige Frage bewegt offensichtlich doch immer wieder viele von der nach wie vor unheilbaren Krankheit ge- und betroffene Menschen. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man den einschlägigen sich endlos wiederholenden Diskussionen in ebenso einschlägigen Internet-Foren Glauben schenken mag. Eigentlich pflege ich die nicht gerade zielführende Frage nach dem Sinn oder Unsinn von Krankheiten mit dem lapidaren Hinweis auf happenden Shit zu beantworten.

Aber manchmal komme ich eben doch ins Grübeln.

Für irgendetwas muss doch auch diese an sich unziemlich lästige und zuweilen unangenehme Krankheit zu gebrauchen sein. ("Für etwas gut sein"), sinniere ich zuweilen so vor mich hin.

Und vielleicht habe ich jetzt endlich tatsächlich einen Sinn des Parkinson gefunden, in Gestalt einer machbaren und lohnenden Beschäftigung: Schon 1985 stellten die Rock-Pop-Blödelbarden der Ersten Allgemeinen Verunsicherung (EAV) fest: "Das Böse ist immer und überall". Mit dieser Erkenntnis und ihrem unvergesslichen Ba-Ba-Banküberfall stürmten die Barden wochenlang die Charts.

Soll ich jetzt österreichisch lernen und zu jodeln anfangen - choreografisch angereichert durch diverse Parkinson-Symptome vom Tremor bis zu Überbewegungen?

Gar nicht schlecht die Idee - aber der echte "Burner" oder "Bringer" wäre ein mehr oder weniger gekonnt zappelnder und grölender Jos wohl doch nicht. Damit machen sich schon genug andere zum Horst in all den Casting-Shows.

Nein, die kühne, aber Gewinn verheischende Idee ist der "Ba-Ba-Banküberfall" selbst. Ich sehe herrlich harmlos aus, kriminelle Energie vermutet kein noch so misstrauischer Bank-Angestellter oder Security-Hilfssheriff bei einem Rollator-Schieber wie mir - und selbst wenn doch letztlich alles schief ginge, könnte mir nicht viel passieren; immerhin ist es im worst case ja nicht auszuschließen, dass die Fahnder mich auf meiner eher gemächlichen Flucht am Rollator nach dem Griff in die Bankkasse doch einholen und ergreifen. Man bedenke: Selbst im Turbo-Modus tripple ich deutlich langsamer als ein Streifenwagen der Häscher.

Na und? Meine Chancen auf Straffreiheit wären auch für diesen Fall der Fälle gar nicht mal so schlecht. Möglichst tragisch anmutende chronische Krankheiten sind nämlich der sozusagen letzte Schrei bei smarten Strafverteidigern.

Im beschaulichen Augsburg stehen gerade zwei mutmaßlich nicht wirklich angenehme Zeitgenossen vor Gericht, denen nicht nur mehrere Überfälle, sondern auch ein ausgesprochen brutaler Mord an einem Polizisten vorgeworfen wird. Der eine der Brüder hat eher übersichtliche Chancen, mangels Beweisen ungestraft davon zu kommen.

Aber der ältere der beiden hat ein echtes As im zitternden Ärmel: Er hat Parkinson. Und mit dieser Krankheit, so sein Verteidiger-Cleverle, wäre er gar nicht in der Lage gewesen, zum Meuchelmörder zu werden. Nix da von wegen "The evil ist always and everywhere".

Warten wir das fürs Ende dieses Jahres erwartete Urteil ab. Bis dahin halte ich mich aber doch wohl lieber wörtlich an den österreichisch-deutschen Hit vom "Ba-Ba-Banküberfall" von 1985: Der endet - nachdem der biedere Bankräuber sich brav in die Warteschlange vor der Kasse eingereiht hatte, damit, dass der böse Bube dann doch lieber was einzahlte statt gewaltsam abzuheben.

Weiterhin ziemlich gesetzestreu grüßt
Ihr Norbert Jos Maas
euer Jos


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