Samstag, 30. März 2013

Eiersuche - eine Stunde zu früh und vom Schnee verweht

Es reicht. Oder richtiger gesagt: Er reicht. Er, der Winter. Dem reicht nämlich nicht mehr die ohne hin reichliche Zeit, für die er ordnungsgemäß im Kalender eingetragen ist - also die Zeit vom 21. Dezember bis zum 19. März. Nein, jetzt macht sich der schauderhaft frostige, und verschneite Geselle auch noch skrupellos im Frühling breit und bräsig.

Da wartet unsereiner, wartet und wartet, dass man endlich zu den sich immer noch meldenden Frühlingsgefühlen die passende Jahreszeit geliefert bekommt, die längst an der Reihe ist und uns mit milden Lüften mitsamt dem blauen Flatter-Band von Eddie Mörike, dem alten Romantiker, betört; nicht zu vergessen die dazugehörigen Mörikeschen "wohlbekannten" Düfte (Jauche zum Düngen?) und die Veilchen (aber die können wir uns zur Not ja sogar aus dem Garten-Center besorgen).

Aber ansonsten: Kein Frühling weit und breit in diesem Frühling.

   Lawinen-Hunde und schweres Gerät gesucht - zum Suchen   

Und nicht genug damit, dass nach der grünen Weihnacht nun der Osterspaziergang in Schneewehen steckenbleibt und zur Eiersuche tunlichst Lawinenhunde und schweres Schneeräumgerät eingesetzt werden sollten.

Um das Maß des Ungemachs voll zu machen, steht zu allem weißen Übel auch noch die sogenannte Sommerzeit kurz bevor. Ausgerechnet in der Nacht zum Ostersonntag (und mitten im Winter) werden unsere Funkuhren um eine kostbare Stunde vorgestellt.

SOMMER-Zeit?

Dass ich nicht lache. Zeit ist Zeit - sommers wie winters. Ich brauche meinen Schönheitsschlaf - irgendwann muss er ja schließlich doch noch seine Wirkung tun. Das funktioniert aber bestimmt nicht, wenn mir hinterrücks einmal im Jahr in einer groß angelegten Nacht- und Nebelaktion, an der unter anderem geheimnisvolle Atomuhren in Braunschweig und ein Langwellensender bei Frankfurt beteiligt sind, eine wertvolle Stunde Schlaf geklaut wird.

   Die grauen Herren lassen grüßen   

Es tröstet nur wenig, dass mir die gestohlene Stunde von den Zeitdieben (die grauen Herren in Michael Endes "Momo"?) "großzügig" wieder erstattet wird: Im Herbst, zur Winterzeit (da ist es wieder, das grausig-eiskalte Wort "Winter"). Übrigens ist die sogenannte "Winter"-Zeit eine Erfindung der Zeitdiebe: Tatsächlich ist es die ganz normale Zeit, an der wir real ja gar nichts drehen können - und das ist auch gut so.

Mit meiner Sehnsucht nach sowohl echtem Frühling als auch echter Zeit bin ich nämlich nicht allein: 70 Prozent der Deutschen leiden mit mir nach einer Umfrage. Sie haben wie ich keine Lust auf Schlappheit, Schlafprobleme und Schnappatmung, wenn sie zum Beispiel merken, dass sie die verzwackte Zwangs-Zeitverschiebung versehentlich verpennt haben sollten.

Und eine schwedische Studie kam zu dem Schluss: In den Tagen nach der Zeitumstellung erleiden sogar ein paar Menschen mehr als sonst einen gediegenen Herzinfarkt.

Na danke!

Gut, dass ich kein Schwede bin – aus Deutschland wurde derlei nämlich nicht gemeldet.

Die Sommerzeit-Probleme beschert uns übrigens unsere innere Uhr: Die ist unbestechlich und schert sich nicht den Zeiger um politische Zeitdiktate oder Spielereien mit Braunschweiger Atomuhren oder hessischen Langwellensendern.

Dabei könnten wir ja gerade zu diesem Ostersonntag die Stunde Schlaf besonders gut gebrauchen, die uns nachts um zwei gestohlen wird, wenn die Zeiger der Funkuhren wie von Geisterhand bewegt eine Stunde weiter auf frei erfundene drei Uhr vorrücken. Bliebe alles bei der guten alten, zur "Winterzeit" degradierten normalen Zeit, dann könnten wir friedlich ein Stündchen länger schlafen und würden nicht vor der Zeit geweckt, um den Winter mitten im Frühling an einem verschneiten Ostersonntag zu durchbibbern.

Fröstelnd und jetzt schon verschlafen grüßt

Ihr Norbert Jos Maas
euer Jos


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Sie können hier einen Kommentar schreiben - bitte mit Namensnennung
Oder schreiben Sie mir eine Mail an: 
redaktion@chronisch-leben.de