Samstag, 2. März 2013

Ein (Toten-)Tänzchen in Ehren



Ich bin bekennender Pessimist – bitte nicht verwechseln mit dem üblichen sterbenslangweiligen Miesepeter. Meinen Pessimismus habe ich mir hart erarbeitet im Laufe der Lebensachterbahn. Und die folgte – und folgt - über weite Strecken Murphys Gesetz - der US-amerikanischen Ingenieur Edward A. Murphy jr. beschrieb nämlich ganz einfach die Lebenswirklichkeit, als er feststellte: „Whatever can go wrong will go wrong.“ („Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“). Man könnte auch sagen: Das Leben ist kein Ponyhof. 

Wir Pessimisten sind im Allgemeinen nicht sonderlich beliebt. Wir gelten als Spaßbremsen, Spielverderber oder Spökenkieker. Mag ja durchaus sein, dass da was dran ist.

Aber wenn da was dran ist, dann sind wir verdammt langlebige Spielverderber. Die meisten von den Zeitgenossinnen und -genossen, die mir seit jeher auf den Nerv gehen mit ihrer Schönrederei und ihrem unerträglich verlogenen Optimismus sind nämlich länger tot als unsereiner mit unserer meist weniger rosigen Sicht der Dinge.

Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben nämlich gemeinsam mit Wissenschaftlern der Humboldt-Universität Berlin und der Universität Zürich nachgewiesen, dass Optimismus im Alter zu einem erhöhten Erkrankungs- und Sterblichkeitsrisiko führen kann.

Auch den Umkehrschluss fanden die Forscher bestätigt: Pessimisten geben in der Regel später den Lebenslöffel ab als die Typen mit der rosa Brille auf der Nase.

Die Forschungsergebnisse auf der Grundlage von Daten der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) hat eindeutig ergeben, dass ältere Menschen, die ihre künftige Zufriedenheit gering einschätzen, länger und gesünder leben als ältere Menschen, die für sich eine rosige Zukunft sehen.

Da ich nicht nur bekennender Pessimist bin, sondern mir gelegentlich auch mal einen gehörigen Schluck aus der Schadenfreude-Pulle gönne, gehe ich davon aus, dass mir noch so manches Tänzchen auf den Gräbern derjenigen vergönnt sein dürfte, die mich im Brustton der Überzeugung und des Besserwissens als Schwarzmaler und geradezu Misanthropen sehen. Dass das mit dem Gangnam-Style, dem Harlem Shake oder dem guten alten Graveyard Waltz von den Hooters auf den letzten Ruhestätte der früh verblichenen Optimisten wohl doch nix wird - oder wenn, dann eher mental, liegt an meinem unverwüstlichen Pessimismus: Getreu Murphy's Law werde ich diese Tänzchen bewegungsgestört wie ich es jetzt schon bin, wohl nicht mehr mit flotter Sohle auf das Grabplatten-Parkett legen können.

Ich sag's ja: Was schief gehen kann, geht auch schief. Und ein ebenso wohlverdienter wie schadenfroher Tanz auf den Gräbern der Damen und Herren mit den bonbonrosa Brillen wird dann wohl damit enden, dass ich gepflegt auf die Schnauze falle.

Dennoch zumindest im Geiste fröhlich tänzelnd
und viele viele Jahre pessimistisch, aber neugierig und quicklebendig auf das schauend, was mich noch so alles erwartet,

grüßt

Ihr Norbert Jos Maas
euer Jos

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